inclusión de género

El lenguaje inclusivo

Gendern auf Spanisch

Was wir im eingedeutschten Englisch als „Gendern“ bezeichnen, hat im Spanischen keine direkte Entsprechung. (Spanier sind nicht so anglophil wie Deutsche.) Je nach Kontext werden dafür verschiedene Ausdrücke gebraucht:

  • el lenguaje inclusivo | die inklusive Sprache
    ist der heute gebräuchlichste Begriff
  • el lenguaje no sexista | nicht sexistische Sprache
    ist Standard in Leitfäden und sprachpolitischen Diskussionen ¹
  • el uso inclusivo del lenguaje | die inklusive Verwendung der Sprache
  • utilizar lenguaje inclusivo | inklusive Sprache verwenden, gendern
  • incluir formas de género | geschlechterbezogene Formen einbeziehen

Die Debatte über geschlechtergerechte Sprache wird auch in Spanien seit Jahren geführt. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Real Academia Española, die für die Normierung der spanischen Sprache zuständig ist. Sie lehnt viele Formen inklusiver Sprache ab und verteidigt das generische Maskulinum. Insbesondere aus feministischen Kreisen wird diese Haltung kritisiert. Dort wird argumentiert, dass Sprache ein wandelbares, von der Gesellschaft geprägtes System sei, das soziale Veränderungen und vielfältige Lebensrealitäten widerspiegeln müsse.

Auch die politische Situation Spaniens beeinflusst die Diskussion. Die seit acht Jahren regierende linke Regierung förderte über das Gleichstellungsministerium Maßnahmen zur Stärkung von Gleichberechtigung und Vielfalt. Verschiedene Rechtsgrundlagen – etwa das Organgesetz 3/200 oder der Gleichstellungsplan der allgemeinen Staatsverwaltung – unterstützen den Einsatz einer inklusiven und diskriminierungsfreien Sprache in Verwaltung, Gesetzgebung und öffentlicher Kommunikation. Öffentliche Institutionen werden dazu angehalten, Leitfäden für geschlechtergerechten Sprachgebrauch zu entwickeln ¹.

Die spanische Grammatik macht das Verwenden genderneutraler Sprache noch schwieriger als im Deutschen. Denn nicht nur die Substantive, sondern auch dazu gehörige Adjektive müssen angepasst werden. Im Deutschen muss in der Regel nur auf die Hauptwörter geachtet werden.
Beispiel:
Todos los hombres son tontos | Alle Männer sind dumm
Todas las mujeres son tontas | Alle Frauen sind dumm


Formas de lenguaje inclusivo | genderneutrale Formen

  1. El desdoblamiento | die Aufspaltung, Wiederholung
    los alumnos y las alumnas | die Schüler und Schülerinnen, die SuS
  2. Sustantivos neutros y colectivos | neutrale Substantive und Kollektive
    el alumnado | die Schülerschaft
    el profesorado | die Lehrerschaft
    la persona | die Person
    el ser humano | der Mensch
    la criatura | das Kind
  3. La «e» plural para un lenguaje no binario | Das Plural-„e“ für nicht binäre Sprache
    la persona no binaria | die nicht-binäre Person
    el ser humano no binario | der nicht-binäre Mensch
    soy no binarie | ich bin nicht-binär
    les alumnes | die SuS
    el amigo, la amiga → le amigue | der/die Freund*in
    el niño, la niña → le niñe | das Kind
  4. La «@» y la «x» (comunicación escrita informal)
    | Das „@“ und das „x“ (informelle schriftliche Kommunikation)
    todos, todas → tod@s
    todos, todas → todxs
    amigo, amiga → amig@
    amigo, amiga → amigx
    (Diese Varianten unter 4. werden vor allem in den Sozialen Netzwerken eingesetzt.)

Der spanischsprachige Raum ist aufgrund historischer und soziokultureller Entwicklungen sprachlich und gesellschaftlich sehr vielfältig. Ebenso wie sich das Spanisch in Spanien und Argentinien unterscheidet, variieren auch die politischen Rahmenbedingungen und die Einstellungen zum inklusiven Sprachgebrauch. So wurde beispielsweise in Buenos Aires die Verwendung von Formen wie „alumn@s“, „alumnxs“ oder „alumnes“ an Schulen untersagt. Auch in anderen lateinamerikanischen Ländern ist die Akzeptanz inklusiver Sprachformen unterschiedlich ausgeprägt und wird teilweise sogar als störend wahrgenommen.


Nota al pie | Fußnote:

¹ — Es gibt einen Leitfaden des Instituto Cervantes aus dem Jahr 2021 zur genderneutralen Sprache mit dem Titel Guía de comunicación no sexista | Leitfaden für genderneutrale Kommunikation unter Mitwirkung von Dr. Mercedes Quilis Merín, Professorin für spanische Sprache an der Universitat de València und Expertin für nicht-sexistische Sprache.